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Satellitennavigation mit Galileo teurer als erwartet

Galileo als neues System für die Satellitennavigation soll eigentlich fast schon ans Laufen gebracht sein, da stellt sich in diesen Tagen heraus, dass die ursprünglich geplanten Kosten bei weitem überschritten werden. Bisher wurden 1,8 Milliarden Euro für die Entwicklung und 3,4 Milliarden Euro für den Aufbau von Galileo veranschlagt und das alleine bis 2013. Allerdings reichen diese Kosten wohl nicht mehr aus, wie jetzt auch die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen mitteilte. Damit steigen natürlich auch die von Deutschland zu tragenden Kosten, die sich nach den ursprünglichen Planungen auf 830 Millionen Euro belaufen sollten.

Wie hoch die Nachzahlungen für Deutschland und andere am Galileo Projekt beteiligte Staaten insgesamt ausfallen, bleibt bis dato jedoch unklar. Ähnlich, wie bei einem Casino Download, bei dem sich erst später Folgekosten auftun, verhält es sich derzeit auch mit der Umsetzung von Galileo. Der Unterschied dabei ist, dass der Casino Download durchaus die Möglichkeit bietet die Folgekosten abzuschätzen. Wenn man mehr Geld gewinnen möchte, setzt man im Casino auch mehr ein und hat möglicherweise höhere Kosten. Beim Galileo System ist es weit schwieriger diese Kosten abzuschätzen.  Das Projekt wird von der EU und der ESA unterstützt und soll mit Hilfe von 27 Satelliten plus drei Ersatzsatelliten, die in einer Höhe von etwa 23.000 Kilometern über der Erde angebracht werden sollen, die Position zentimetergenau bestimmen können. Allerdings verschlingt das Projekt immer mehr Kosten und die Grünen warnen schon jetzt vor einer zu hohen finanziellen Belastung.

Marktpotenzialschätzungen sinken

Ein weiteres Problem, mit dem Galileo kämpfen muss, liegt in der Marktposition. Die ursprünglichen Schätzungen sagten aus, das Galileo bis zum Jahr 2027 ein Marktvolumen von 250 Milliarden ausmache, im Jahr 2008 war sogar von Volumina um die 400 Milliarden Euro bereits für das Jahr 2025 die Rede. Jetzt wurden die Schätzungen deutlich gedrosselt, und zwar auf ein Marktvolumen von 90 Milliarden Euro bis 2027.

Dem gegenüber stehen die Aufträge, die deutsche Firmen für Galileo erhalten haben. Alleine die vier Testsatelliten und 14 weitere sollen in Deutschland gebaut werden. Die Bremer OHB konnte sich hier einen Auftrag über insgesamt 566 Millionen Euro sichern. Diese Gewinne im Casino zu erzielen wäre wahrscheinlich erheblich schwieriger geworden.

Aufgrund der nicht ganz eindeutigen Schätzungen des Potenzials konnten auch kaum private Investoren für Galileo gefunden werden. Demzufolge sind die Nachzahlungen der EU Länder kritisch zu beäugen. Zudem kann es durch erhöhte Kosten und zeitliche Verzögerungen auch dazu kommen, dass die USA, die derzeit eine neue Generation des Konkurrenten GPS entwickeln, die EU abhängen werden. Dann wären zusätzliche Zahlungen eine Katastrophe, insbesondere, wenn die Satellitennavigation mittels Galileo die gewünschten Ziele nicht erreichen kann.

Vor einem solchen Abhängen durch die USA warnen nicht nur die Grünen, sondern auch die SPD. Insofern stellt sich die Frage, wie viel Geld noch in die Entwicklung von Galileo gesteckt werden kann, ohne dass sich die Länder der EU unnötig verschulden, nur um ein Projekt umzusetzen, dessen spätere Funktionsfähigkeit fraglich ist. Die Debatten rund um Galileo reißen seit der ersten Vorstellung des Systems 2002 nicht ab und werden sogar immer hitziger.

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